Was ist maligne Hyperthermie?

Die maligne Hyperthermie (MH) ist eine seltene, aber lebensbedrohliche Komplikation der Allgemeinanästhesie. Basierend auf einem genetischen Defekt der skelettmuskulären Kalziumhomöostase kann sie bei disponierten Patienten durch alle volatilen Anästhetika (z.B. Isofluran, Enfluran, Sevofluran, Desfluran, Halothan) und/oder das depolarisierende Muskelrelaxans Succinylcholin ausgelöst werden1.
Die Veranlagung für die maligne Hyperthermie ist erblich bedingt2; rund 1 von 3.000 Personen ist anfällig für eine MH2.

Was löst eine maligne Hyperthermie aus?

Bei Patienten, die eine Veranlagung zur MH haben, ist ein Rezeptor in ihren Muskelzellen „defekt“ und reagiert nicht normal auf bestimmte Narkosemittel und Muskelrelaxantien. Das Narkosemittel löst ein Öffnen des Rezeptors aus, wenn dieser eigentlich geschlossen bleiben sollte; die Folge ist ein Anstieg der Freisetzung von Calcium in die Muskelzellen. Dieser Calciumanstieg führt dazu, dass Muskelzellen sich zusammenziehen, die Körpertemperatur ansteigt und eine MH-Krise ausgelöst wird3.

Was passiert bei einer MH-Krise?

Bei einer MH-Krise ziehen sich die Muskeln des Patienten nicht mehr normal zusammen. Um die Muskeln mit der zusätzlichen Energie zu versorgen, die sie für dieses Zusammenziehen benötigen, muss der Körper des Patienten härter arbeiten. Das bedeutet, dass er mehr Sauerstoff benötigt. In der Folge steigt die Herzfrequenz an und der Körper produziert mehr Kohlendioxid. Eventuell beginnt der Patient stark zu schwitzen, sein Blutdruck steigt und die Muskeln verhärten sich. Im späteren Verlauf kann es zu einem raschen Anstieg der Körperkerntemperatur des Patienten (Hyperthermie) kommen3,4,5.

Wie wird die maligne Hyperthermie behandelt?

Nach der Diagnose einer MH ergreift der Anästhesist so schnell wie möglich Gegenmaßnahmen. Es muss ein Wechsel zu einem Narkosemittel erfolgen, das keine MH auslösen kann (Non-Triggering-Anästhetikum; vor dem Ende/Verschieben der Operation).

Der Patient muss ununterbrochen überwacht werden, während Maßnahmen zur Behandlung der MH-Krise ergriffen werden. Dazu gehören die Versorgung mit Sauerstoff, die Verabreichung von Flüssigkeit und das Kühlen des Patienten mit feuchten, kalten Tüchern, Ventilatoren und Eisbeuteln. Der Patient muss nach dem Ende der Operation mindestens 24 Stunden lang überwacht werden, da die MH nach einer anfänglichen MH-Krise erneut auftreten kann4,5.

Die einzige zugelassene Behandlung der MH in Deutschland erfolgt mit Dantrolen. Seit der Einführung von Dantrolen ist die Überlebensrate von 20 % bis 30 % auf ungefähr 95 % angestiegen5.

Dem Patienten und der Familie eines Patienten (Blutsverwandten) steht ein Test zur Verfügung, bei dem im Rahmen einer Muskelbiopsie in vitro ein Muskelkontraktionstest durchgeführt wird3,5.

Haben Sie Fragen zur malignen Hyperthermie und möchten Sie gerne mit uns in Kontakt treten, wenden Sie sich bitte an uns.